Harmonien & Disharmonien

Beitragsbild mehrere Instrumente

Der Aufbau von Musik und Begleitung 

In diesem kleinen Kapitel möchte ich auf eine Frage antworten, die ich schon oft gehört habe: “Welche Bassnoten muss ich in diesem oder jenen Akkord spielen?” oder “wie komponiere ich ein Stück für mehrere Instrumente?” oder “warum hört sich das so schräg an?” Ich möchte hier aufzeigen, welche begleitende Noten innerhalb eines Akkordes passen und welche nicht.

Hier eignet sich ein kleines Beispiel. Nehmen wir eine Akkordreihenfolge, z.B. Am, Dm und C in der Tonart C-dur. Das sieht wie folgt aus, zum Vergrößern der Bilder bitte drauf klicken:

Jetzt setzen wir eine Bassbegleitung dazu. Damit es deutlicher hörbar wird, habe ich zwei Durchläufe, also 6 Takte gespielt:

Hier ist folgendes klar erkennbar: Der Bass im A-moll Akkord spielt in der Hauptsache das A, im D-moll Akkord das D und im C-dur Akkord das C. Das bedeutet, dass der Grundton eines jeden Akkordes auch gleichzeitig der Ton ist, den der Bass in unserem Beispiel spielt. Man spricht dann von dem sog. Grund-u. Wechselbass, was man häufig in der Tanzmusik oder bei Schlagern sehr ausgeprägt findet. Im Quintenzirkel kann man überigens genau das ablesen. So wird der Bass beispielsweise im C-dur Akkord abwechselnd auf C und A gespielt. Anders ausgedrückt vollzieht man hier einen Wechsel vom Grundton zur Quinte und wieder zurück. Das hört sich dann so an:

Andere Begleitinstrumente, wie z.B. eine Klavierbegleitung, sollten sich ebenfalls der Noten bedienen, die in den jeweiligen Akkorden hauptsächlich vorkommen. Beispiel mit Bass und Begleitung:

Das hört sich doch schon mal ganz harmonisch an. Wahrscheinlich gibt es aber hier mehr Ausnahmen als Regeln, da sehr viel mit der künstlerischen Freiheit begründet wird, ähnlich wie in der Malerei. Eine Ausnahme diesen “steifen” Rahmen zu sprengen, wäre z.B. ein Arpeggio in dem man absichtlich andere, nicht in der Tonart vorkommende, Noten spielt, um ganz bewusst bestimmte Stimmungen zu erzeugen. Hier sollte man allerdings etwas Vorsicht walten lassen, damit es nicht zu Disharmonien kommt. Man kann auch in einer Begleitung einen Akkordwechsel von A-moll auf D-moll z.B. über ein G laufen lassen. Das hört sich deswegen richtig gut an, weil diese “Disharmonie” nur extrem kurz hörbar ist und somit eine interessante Stimmung erzeugt. Würde man das G länger im D-moll Akkord spielen, wäre das nicht so toll. In der klassischen Musik beispielsweise findet man sogar Noten, die unmittelbar nebeneinander liegen und zusammen gespielt werden, aber eben nur extrem kurz.

Wichtig:

Dieses kleine Beispiel soll lediglich den Aufbau der Harmonien und deren Begleitung darstellen, so wie es “stur” der Harmonielehre gerecht wird. Ein professioneller Bassist oder ein Jazzpianist werden sich hier sicher die Haare raufen, weil sie eben ganz anders spielen. Hier möchte ich nur aufzeigen wie man grundsätzlich Harmonien aufbaut und eine harmonische Begleitung dazu setzt. Eine Klavierbegleitung oder ein Bass können natürlich andere Noten spielen, als ein Akkord vorgibt. Beispiele finden sich in der Musik dazu sehr häufig. Hier muss man aber ein sehr gutes Noten-u. Harmonieverständnis haben, um dies zu realisieren und keine Disharmonien zu erzeugen. Da wir gearde davon sprechen, möchte ich im nächsten Beispiel aufzeigen, was passieren kann, wenn man sich in der Begleitung gänzlich vertut:

Disharmonien

Im nachfolgendem Beispiel bleibe ich bei den Akkorden von oben, nämlich A-moll, D-moll und C. Allerdings spiele ich hier jetzt den Bass im A-moll Akkord nicht auf A sondern auf H, im D-moll Akkord nicht auf D sondern auf C und im C Akkord nicht auf C sondern auf D. Ich erzeuge somit Disharmonien, denn ich spiele Bassnoten, die im Akkord gar nicht vorkommen:

Vielleicht mag es das eine oder andere ungeübte Ohr geben, was die Disharmonie hier nicht sofort heraushört, allerdings im nächsten Beispiel sollte es ganz klar werden:

Oh Gott… schauder… also spätestens hier sollte klar werden, dass der Komponist nichts von Harmonielehre versteht. Zugegeben, ich habe hier ein wenig übertrieben. Aber nur so wird deutlich, was ich hier zum Ausdruck bringen möchte: Ein Aufbau von Harmonien oder eine Komposition für mehrere Instrumente unterliegen nunmal bestimmten Gesetzmäßigkeiten, die in der Harmonielehre strikt vorgegeben sind. Es gibt Abweichungen, klar, aber die grundlegenden Vorgaben sollten schon beachtet werden.

Ich hoffe, Du hattest hier ein wenig Spaß auf der Seite und hast vielleicht das eine oder andere mitnehmen können. Ich würde mich sehr freuen.

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Erstellt am 3. März 2017 - zuletzt aktualisiert am 22. Oktober 2018
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4 Gedanken zu „Harmonien & Disharmonien“

  1. Hallo, nochmal besten Dank für die Antwort.
    Sehr gut verstanden. Ich hätte da mal noch eine Frage:
    Wenn ich z.B ein Lied in C-Dur spiele und die dazugehörigen Mollakkorde setze, habe ich festgestellt. das in den Dreiklängen alle Noten der C-dur Tonleiter vorhanden sind.
    Akkorde : C, F, G, Parallelen C= am, F= dm und G= em,
    Dreiklänge: c= c,e g, Am = a,c,e – F= f,a,c Dm= d,f,a, G= g,h,d, Em= e,g,,h
    Frage : Ich denke mir eine Melodie in C-Dur aus. Woher weiß ich dann wie ich die Akkorde über die Noten setzte muss. Ich kenne zwar die Intervalle, aber muss ich wenn ich Moll oder Dur nehme die Noten aus dem Dreiklang nehmen. Oder wie ist das. Da könnte man mal darüber etwas schreiben.

    1. Ich persönlich würde als Akkordton immer den ersten Ton des Taktes nehmen. D. h. wenn ich z.b. eine Notenreihenfolge c-d-e- spiele, würde ich hier einen Cm-Akkord spielen, da er nicht nur den Grundton sondern auch den “Gegenton” (interessant für den Bass), nämlich das E beinhaltet. An dieser Frage bin ich aber schon oft verzweifelt wenn ich eine Notenpartitur habe, wo keine Akkorde angegeben sind und ich die Akkorde im Nachhinein setzen möchte. Das ist richtig schwer vor allem, wenn das Stück sehr viele Vorzeichen hat. Grundsätzlich würde einen Wechsel der Akkorde nicht bei jedem Ton vornehmen, sondern nur alle halbe bin ganze Takte. Ich werde diese Frage aber gerne aufnehmen und mir mal Gedanken machen, wenn ich dieses Kapitel erweitere.

  2. Hallo ,
    Super gemacht die Erklärung, sie hilft mir weiter in meinem Musikverständnis.
    Aber warum wird in der Bass Notierung Hilfslinien genommen. Da ich Gitarre spiele und kein Klavier,
    denke ich mal das die Notierung so sein muss wegen der linken Hand, praktisch eine Oktave tiefer als bei der Gitarre.
    es hat mir viel gegeben.

    Mit freundlichem Gruß Peter

    1. Hallo Peter,

      herzlichen Dank für Deinen netten Kommentar. Die Hilfslinien in der Bassnotierung sind, in diesem Fall, bitte nicht wirklich ernst zu nehmen. Da mein Basssynthesizer in einer recht hohen Oktavlage spielt, musste ich die Noten soweit “runter” setzen, bis man einen guten Bass-Sound hat. Normalerweise steuert man dies direkt am Synthi und nicht über die Noten. Zugegeben, nicht ganz sauber, beim nächsten Beispiel denke ich dran. Danke für den Hinweis.

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