Der Quintenzirkel

Vorwort und was diese Webseite möchte

Mit dem Quintenzirkel beginnt das Grundverständnis der Harmonielehre. Anschaulich erklärt und mit ganz vielen Hörbeispielen versehen, ist diese Webseite ideal geeignet für Schüler und (Hobby)Musiker. Aber auch “blutige Anfänger” finden hier leicht verständliche und rudimentäre Informationen über den Quintenzirkel sowie Grundbegriffe der Harmonielehre, die im direkten Zusammenhang mit dem Zirkel stehen.

Als ich mit der Musik anfing, habe ich eine Möglichkeit gesucht, alle Harmonien irgendwie dargestellt zu bekommen. Alleine der Hinweis auf den Quintenzirkel durch meine damalige Keyboardlehrerin, versetzte bei mir Berge. Vielleicht ist es bei Dir ja auch so und Du suchst eine einfache Übersicht eben dieser Harmonien.

Von daher möchte diese Webseite auch gar nicht all zu tief in die Musikwissenschaft eintauchen. Sie soll Dir eine rudimentäre Auskunft darüber geben, was ein Quintenzirkel überhaupt ist, wie und wofür man ihn benutzt und wie man tatsächlich damit kreativ arbeiten kann. Von daher habe ich mir auch Mühe gegeben, die Erklärungen so einfach wie möglich zu halten.

Diese Seite möchte auch gleichzeitig als “Akkordinformation” dienen, wenn man mal beim Komponieren einen Akkord sucht oder zu einem Akkord die richtige Tonart. Hier werden die tonalen und musikalischen Zusammenhänge anschaulich verdeutlicht. Alle Akkordtabellen sind vertont, d.h. Du kannst die Akkorde auch hören, anstatt sie nur visuell wahrzunehmen. Damit wird die graue Theorie etwas aufgelockert und vielleicht auch die Neugierde geweckt, mit Akkorden zu experimentieren und vielleicht sogar zu komponieren. So möchte diese Seite auch zur Kreativität und zum musikalischen Basteln mit dem Quintenzirkel ermuntern. Beispiele, wie so etwas gehen kann, findest Du an vielen Stellen dieser Seite.

Den Spaß nicht aus den Augen verlieren

Eigentlich ist die Harmonielehre ja eine trockene und nicht weniger auch eine mathematische Angelegenheit. Es gibt aber auch sehr kreative Menschen die es verstehen, trotz aller Hürden, mit diesem Thema sehr gekonnt umzugehen. Auf der Facebook Seite von quintenzirkel.info triffst Du solche Menschen und wirst, so ganz nebenbei, über Aktualisierungen dieser Webseite informiert. Ich freue mich über ein “like” wie auch über einen Eintrag ins Gästebuch.

Viel Spaß beim Lesen und hören der weiteren Kapitel.

Das Arpeggio – der gebrochene Akkord

Das Arpeggio – Der besondere “Akkord”

Mit diesem Kapitel möchte ich aufzeigen, was man so alles mit den Akkorden anstellen kann. Es gibt heutzutage und natürlich auch historisch gesehen, kaum ein Lied ohne ein Arpeggio. Selbst Größen wie “Pink Floyd” oder “Jean Michel Jarre”, ja sogar “Kraftwerk” bedienen sich dieses musikalischen Ausdrucksmittels: Das Arpeggio.

Was ist ein Arpeggio?

Einfach ausgedrückt ist es nichts anderes, als das Zerlegen des Akkordes in seine einzelnen Töne (Noten). Diese dann entstehenden einzelnen Noten werden nun nicht mehr zusammen als Akkord gespielt, sondern nacheinander in einer vorher festgelegten Reihenfolge und Geschwindigkeit (1/4, 1/8, 1/16 Noten sind die gängigsten). Ein Arpeggio bezeichnet man auch als gebrochenen oder aufgelösten Akkord.

Vom Ursprung her gab es lediglich drei Variationen: aufwärts, abwärts und zufällige Reihenfolge. Hier ist es ähnlich wie mit den Akkorden. Keiner schreibt vor, dass alle Noten einer Harmonie mit in das Arpeggio einbezogen werden müssen. Man kann innerhalb einer Harmonie Noten auslassen (klingt dann mehr rhythmisch) oder auch Noten tauschen (Akkordumkehrung). Es gibt in der heutigen Musik eine Vielzahl von “Spielarten” der Arpeggien. Mit Einzug moderner “On Board Arpeggiatoren” heutiger Synthesizer sind der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt.

Dank der Sequenzertechnik findet man heutzutage Arpeggien in vielen “neuzeitlichen” Musikrichtungen wie Trance, Techno, House und Dance Pop. Allerdings gibt es auch Musikrichtungen, wo das Arpeggio sozusagen Hauptbestandteil ist. Die Musik, nach der in Spanien Flamenco getanzt wird, besteht fast ausschließlich aus Arpeggien.

Mann kann auch andere, nicht im Akkord vorkommende Noten, mit in das Arpeggio einbeziehen. Wenn man in das Beispiel unten das A einfügen würde, könnte man das Arpeggio sowohl im C-Dur, als auch im A-Moll spielen. Es klingt überaus interessant, wenn man im C-Dur das A und im A-Moll das G spielt. Hier sollte man allerdings etwas Vorsicht walten lassen, damit es zusammen mit dem Bass oder einer anderen Harmonie nicht zu Disharmonien kommt.

Standardbeispiele

Ausgangsakkord für ein Arpeggio
C-Dur als aufsteigendes Arpeggio
C-Dur als absteigendes Arpeggio
C-Dur als zufälliges Arpeggio

Das Beispiel soll zeigen, wie ein Akkord “aufgebrochen” wird, damit die Noten einzeln spielbar werden. Wenn man das Prinzip verstanden hat, eröffnen sich völlig neue Welten der musikalischen Begleitung. Wenn man das obige Beispiel nun mit 1/16 Noten spielen würde, die Notation auf C und G beschränken und als Instrumentierung einen Synthesizer-Rave-Bass einsetzen würde, hätte man einen typischen Kraftwerk-Sound. Dies würde dann ungefähr so aussehen und klingen: Den besten Klang erzielt man über einen PC mit angeschlossener Soundanlage, da sehr basslastig 😉

Viele der Stücke von z.B. Jean-Michel Jarre, beinhalten solche Elemente. Nur benutzte er meist dicke Klangteppiche, mit denen man so etwas auch gut umsetzen kann.

Und was kann man mit Arpeggien so alles anstellen?

Das nachfolgende Beispiel soll zeigen, dass ein Arpeggio nicht nur zur Ausschmückung, Verzierung oder Begleitung taugt. Durch geschickten Akkordwechsel, bzw. Akkordumkehrungen, sind sogar komplexe Passagen möglich, die weit über eine klassische “Bridge” hinausgehen. Somit bekommt das Arpeggio musikalisch völlig neue Möglichkeiten und Einsatzgebiete:

Es handelt sich hier um ein rein “maschinell” erzeugtes Arpeggio. Die Noten, die gespielt werden, sind minimal veränderte Zufallsprodukte innerhalb eines Akkordes (zufällige Reihenfolge). Ebenso werden innerhalb eines Taktes einzelne Noten ausgelassen, damit ein gewisser Groove zustande kommt. Hier werden alle Grenzen der herkömmlichen Harmonielehre gesprengt, da die Grenzen zwischen einem “klassischen” Arpeggio und einer “normal-rhythmischen” Begleitung hier sehr fließend sind.

Weitere Hörbeispiele von Arpeggien:

Akkordreihenfolge: “Em – F – C – Am” mit Background, Bassbegleitung und Bassdrum, zwei Durchläufe. Das Klavierarpeggio wird mit 16tel Noten in zufälliger Reihenfolge gespielt:

Nun das gleiche, jedoch mit 8tel Noten:

Gleiche Akkorde wie oben, zufällige Reihenfolge, jedoch etwas tanzbarer

Du siehst, mit den gebrochenen Akkorden kann man so einiges anstellen. Und vielleicht dienen sie ja sogar als “Ideenfinder” beim Komponieren. Grundsätzlich aber ist ein Arpeggio keinem Musikinstrument vorbehalten. Du kannst mit einer Gitarre oder einer Harfe genauso wunderbare Arpeggien gestalten wie mit einem Sythesizer.

Ein kleines Experiment mit einem Arpeggio

Wir bleiben bei der Akkordreihenfolge: Em – F – C – Am . Zunächst das Arpeggio “nackt”, jedoch mit einem zufallsgenerierten Delay (Echo).

Jetzt wird das Arpeggio in ein kleines Arrangement verpackt:

Jetzt wird’s fricklig…

Im nächsten Hörbeispiel benutze ich eine leicht abgewandelte Akkordreihenfolge: F-C-Dm-Em-Am. Das ganze habe ich auf 6 Spuren aufgenommen, wobei die erste Spur (Streicher) die kompletten Akkorde ausspielt. Auf der 2. Spur läuft ein Gitarrenakkord, auch durchgehend. Auf der 3. Spur läuft der Bass in der jeweiligen Grundnote (F-C-D-E-A) ebenfalls durgehend mit. Die Arpeggien folgen auf den nächsten 3 Spuren. Nämlich ein Synthesizer mit glockigem Klang, noch eine Gitarre (die sich mit der Akkord-spielenden Gitarre der 2. Spur wunderbar ergänzt) und, jetzt wird’s richtig toll, ab dem 6. Takt verwandelt sich der Bass ebenfalls in ein Arpeggio und spielt so eine geniale Basslinie. Das ganze ist insgesamt 10 Takte lang und hat 2 Durchläufe. Damit man das Basspiel auch gut raushört habe ich unter diesen Part eine Bassdrum gelegt, Huch, jetzt sind’s schon 7 Spuren… 🙂 Viel Spaß.

Ein Beispiel, wie komplex Arpeggien eingesetzt werden können

Klingt schon ganz schön abgefahren, nicht wahr? Schon rückt so ein kleines Arpeggio in einen ganz anderen Kontext. Unglaublich wie vielseitig man mit Arpeggien arbeiten kann.


Weiterführende Literatur zum Thema

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