Die Musik und ich

Meine Musikgeschichte – Ein Hobby begleitet mich. Eine über 40jährige Reise durch die Harmonien.

Alles begann so etwa im Jahr 1976. Im Alter von 14 Jahren hörte ich bei einem Schulfreund das Stück “Radioaktivität” von Kraftwerk. So eine Musik hatte ich noch nie gehört. Diese stur hämmernde synthetische Begleitung hatte es mir angetan. Ich war regelrecht paralysiert. Diese Art der Musik war für mich völlig neu und begeisterte mich vom ersten Takt an. Hier lag auch die eigentliche Initialzündung meines späteren Hobbys. Allerdings muss ich dazu sagen, dass mein Musikgeschmack trotzdem sehr vielfältig war. Ich hörte auch gerne Pink Floyd, Slade, The Sweet und den damaligen Mainstream im Allgemeinen. Ja und irgendwann bin ich auf das Album “Oxygen” von Jean-Michel Jarre aufmerksam geworden. Spätestens jetzt war für mich klar, dass die elektronische Musik meinen musikalischen Mittelpunkt darstellen und für mich etwas ganz besonderes sein wird. Nur wie? Ich spielte kein Instrument und Klavier lernen? Viel zu schwer 😉 Naja und ich war Schüler und musste mich ja auch auf ganz andere Dinge konzentrieren.

So vergingen die Jahre ohne dass ich je aktiv wurde. Mein Wunsch, Musik selber zu machen, hatte ich jedoch nie vergessen und so entschloss ich mich ca. Mitte der 80er Jahre ein Keyboard zu kaufen. So schwer kann das ja nicht sein. Schließlich sah man im Fernsehen viele Keyboarder und irgendwie schwer sah das nun wirklich nicht aus. Als ich nun vor diesem elektronischen Wunderwerk saß, stieß ich natürlich schnell an meine Grenzen und wurde eines Besseren belehrt.

Eines Tages hörte ich “Hunting High and Low” von den Pet Shop Boys und stellte einige “merkwürdige” Harmonien in diesem Lied fest, irgendwie schräg, aber doch sehr harmonisch. Ich wollte darüber mehr wissen. Wie ensteht eine solche Harmonie? Und was sind Harmonien überhaupt? Nun ja, so entschloss ich mich also, den Dingen mal auf den Grund zu gehen und Keyboardunterricht zu nehmen. Ich lernte Noten und wusste nun, was Harmonien sind. Üben, üben und nochmals üben, aber irgendwie ging mir das nicht schnell genug. Ich stellte fest, dass ich mehr der Techniker, als der Musiker war. Mein kleines Keyboard hatte einen eingebauten Sequenzer, was man damit wohl so alles anstellen kann? Toll, so programmierte ich meine “Hausaufgaben” aus dem Musikunterricht in aller Ruhe und führte das Ergebnis meiner Musiklehrerin vor. Zunächst merkte sie es nicht, dass ich nur “Playback” spielte und sie war voll des Lobes. Zum totlachen 🙂 Irgendwann weihte ich sie allerdings in mein Geheimnis ein und sie war erstaunt, was mit der Technik so alles möglich ist. Ja, sie war noch vom alten Schlag und kannte so eine Technik nicht. Und sie war eine sehr liebenswerte Person, geduldig und immer freundlich.

Ich fragte sie irgendwann einmal, ob es denn nicht eine Übersicht der ganzen Akkorde und deren Zusammenhänge gäbe, ein Buch oder irgendwas, wo ich dies alles einmal sehen könne. Und siehe da, sie zeigte ihn mir, den Quintenzirkel. Ich war begeistert von dieser Übersichtlichkeit und glaubte mich am Ziel. So viele Akkorde, die ganze Welt der Harmonien, ich hielt sie förmlich in den Händen, so glaubte ich Anfangs. Das ergänzend zum Quintenzirkel noch viel mehr möglich und auch nötig war, merkte ich schnell. Es ergaben sich zwangsläufige Fragen deren Antworten der Zirkel nicht geben konnte. So kaufte ich auch noch weitergehende Literatur, weil ich über diese Wissenschaft mehr wissen wollte. Ich schrieb mich sogar in der hiesigen Musikakademie zu einem nebenberuflichen Musikstudium ein. Allerdings merkte ich nach drei oder vier Seminaren, dass mir zu viel Grundwissen fehlt. Da waren die Bücher dann doch eher mein Freund. So blamierte ich mich wenigstens nicht, wenn ich mal etwas nicht verstanden hatte. Und so lernte ich dann brav im stillen Kämmerlein. Den Musikunterricht hatte ich dann beendet, weil ich aus beruflichen Gründen dann doch sehr eingeschränkt war. Ich machte zu der damaligen Zeit noch eine zusätzliche, nebenberufliche Ausbildung.

Auf der Suche nach schnellen Lösungen meine musikalischen Ideen umzusetzen, kam ich Anfang der 90er Jahre durch einen Arbeitskollegen an einen Atari 1040 ST, so wie er unten auf dem Bild zu sehen ist. Ich erinnerte mich daran, dass mein Keyboard eine MIDI-Schnittstelle besaß. Hmmm, was man damit wohl machen kann? Der Atari hatte ja auch so etwas. Und eigentlich liegt es ja nahe, digitale Daten die das Keyboard ja ausgibt, auch digital im Computer weiter verarbeiten zu lassen. Was da wohl passiert wenn man das Keyboard mit dem Computer verbindet? Nun zunächst erst einmal gar nichts, weil mir die entsprechende Software fehlte. Jetzt musste ich auch noch diese Technik lernen – es bleibt einem auch nichts erspart 🙂 Den Atari habe ich übrigens heute noch. Ich kann mich davon nicht trennen… Zusätzlich hatte er eine externe Festplatte (20Mb!), groß wie eine LP und laut wie ein Staubsauger.

Durch reinen Zufall blätterte ich irgendwann in einem Neckermann Katalog meiner Mutter. Und was sah ich da? Eine Sequenzersoftware der Firma Steinberg, nämlich Cubase 1.0 für Atari. Ab jetzt gab es kein Halten mehr. Ja, dies war tatsächlich das allererste Cubase, was je auf den Markt kam. Nicht umsonst hat die Firma Steinberg vor kurzem ihr 30jähriges Jubiläum gefeiert.

Zum Vergleich: Das YouTube-Video zeigt die erste Arbeitsoberfläche so ca. 1990, das Bild darunter die heutige Oberfläche (Vers. 10.5)

Ab hier begann nun ein völlig neues Kapitel in meiner Musikgeschichte. Plötzlich war ich in der Lage, sämtliche Harmonien darzustellen und kleine Musikstücke zu erstellen. Schnell merkte ich, dass ich von den Sounds her sehr eingeschränkt war und legte etwas nach. Die Instrumentenplugins, so wie sie es heute gibt, gab es damals ja noch nicht. Auch war Cubase nicht in der Lage Audiosignale oder gar Samples zu verarbeiten. Das hatte ich mir nämlich damals schon gewünscht, dies kam aber erst Jahre später.

So kaufte ich zunächst meinen ersten Soundexpander. Ein waschechter Synthesizer von Roland, den D 110. Diesen konnte man mit Erweiterungskarten (sog. Memory Cards) aufrüsten, um so seine Soundbibliothek aufzumotzen. Ich kaufte da so einige, so wie heute die Kontakt-Bibliotheken 😉 Mit dem Roland entstand auch die erste Fassung meines Stückes “Sonata”. Eines meiner Lieblingsstücke, da es das erste zusammenhängende Arrangement war, welches ich unter Zuhilfenahme des Quintenzirkels und dem Atari “konstruierte”.

Und wie sich dieses Stück auf dem Roland anhört, kannst Du hier hören:

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Mit dem Roland sind meine ersten (verwertbaren) Stücke entstanden. Aber auch hier wollte ich nach einiger Zeit mehr. Es ist wie eine Sucht, wenn man damit mal angefangen hat. Ich versuchte die Sounds zu verfremden und völlig neue Klangkonstrukte zu kreieren. Irgendwie musste es doch möglich sein, Kraftwerk nachzuspielen (lol…) So kaufte ich mein erstes Effektgerät, welches in der Fachpresse immer wieder (fälschlicherweise) als Vocoder bezeichnet wurde. Ich verfiel der Werbung und kaufte den Roland VP 70.

Der VP 70 war so weit von einem Vocoder entfernt, wie ich vom Spielen einer Klaviersonate. Ich konnte eigentlich, bis auf ein paar experimentelle Dinge, nicht viel damit anfangen. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht. Einige Zeit später kaufte ich dann das Boss Effektgerät SE50. Das war schon eine ganz andere Hausnummer. Ich habe viel getüftelt und gebastelt. Leider konnte man diese Soundkreationen nur mühselig per MIDI-Dump abspeichern. Es war eben eine sehr experimentelle Zeit.

Mit dieser Gerätekonstellation habe ich nur relativ kurze Zeit gespielt. Denn da war er wieder, der Wunsch nach neuen professionelleren Sounds. Als Abonnent der Zeitschrift “Keyboards” hatte ich da einen gewissen Marktüberblick, das Internet steckte ja noch komplett in den Kinderschuhen und ein Zugang war verhältnismäßig teuer. Das war so etwa Anfang der 90er Jahre. Übrigens auch die Zeit, in der ich auch anfing mit Word Webseiten zu konstruieren. Zunächst nur so aus neugierigen Interesse, später wurde dann die Idee von Quintenzirkel.info geboren. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Mit dem Quasimidi-Quasar kaufte ich dann einen sehr professionellen Synthesizer. Der lag damals bei stolzen 1999.- DM. Für die damalige Zeit ein sehr stolzer Preis. Irgendwo las ich, dass Kraftwerk diesen auch benutzte, war sicher auch ein Kaufgrund 😉 . Es machte irren Spaß mit diesem Gerät zu spielen. Vor allem in der Kombination mit den o.g. Geräten. Wobei ich diesbezüglich etwas eingeschränkt war, da ich kein Mischpult besaß. So nutze ich die MIDI-Thru-Funktionen der Geräte, um diese “in Reihe” zu schalten. In dieser Zeit entstanden viele meiner Stücke, ich hatte sehr viel Freude mit dieser Gerätekonstellation und benutzte diese auch recht lange.

Bis so etwa kurz vor die Jahrtausendwende. Seither wechselten nicht nur die Computerumgebungen, sondern auch diverse Cubase-Versionen. Bis heute bin ich diesem Programm treu geblieben. Heute arbeite ich mit der Artist-Version 10.5, da liegen schon Welten dazwischen. Seit etwa 2017 habe ich mit den virtuellen Instrumenten, Plugins, Kontakt-Bibliotheken und Soundsamples vieler Hersteller einiges investiert. Natürlich, ein Hobby kostet Geld, wenn das Ergebnis von entsprechender Güte sein soll. Aber ich denke, dass ist bei nahezu allen Hobbys der Fall.

Und heute? Nun ja, mit fast 60 macht mir dieses Hobby nach wie vor ungebrochene Freude. Ich entspanne mich wunderbar dabei und freue mich, an dem technischen Fortschritt teilhaben zu dürfen. Manchen Menschen, aus meinem Bekanntenkreis, gefällt meine Musik nicht. Muss sie ja auch nicht. Es ist wie in der Malerei, mir gefallen auch nicht alle Bilder. Letztlich ist es mein Hobby mit dem ich anderen musikinteressierten zeigen möchte, dass man selbst mit den grundlegenden Techniken der Harmonielehre viel Freude haben kann und einfach eine schöne Stimmung erzeugen kann.

Ich würde mich riesig freuen, wenn ich diese Begeisterung an den einen oder anderen weitergeben kann.

Es wird immer weiter geh’n,
Musik als Träger von Ideen

Zitat: Kraftwerk

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Erstellt am 15. Dezember 2019 - zuletzt aktualisiert am 3. Januar 2020

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