
Praxis 3 - Akkorde als Ausdrucksmittel
In den vorangegangenen Kapiteln haben wir viel über die Bildung der Harmonien gelernt. Mit diesem Kapitel möchte ich aufzeigen, was man so alles mit den Akkorden anstellen kann. Größen wie "Pink Floyd" oder "Jean Michel Jarre", ja sogar "Kraftwerk" bedienen sich dieses musikalischen Ausdrucksmittels: Das Arpeggio.
Was ist ein Arpeggio?
Einfach ausgedrückt ist es nichts anderes, als das Zerlegen des Akkordes in seine einzelnen Töne (Noten). Diese dann entstehenden einzelnen Noten werden nun nicht mehr zusammen als Akkord gespielt, sondern nacheinander in einer vorher festgelegten Geschwindigkeit (1/4, 1/8, 1/16 Noten sind die gängigsten).
Vom Ursprung her gab es lediglich drei Variationen: aufwärts, abwärts und zufällige Reihenfolge. Hier ist es ähnlich wie mit den Akkorden. Keiner schreibt vor, dass alle Noten einer Harmonie mit in das Arpeggio einbezogen werden müssen. Man kann Noten auslassen (klingt dann mehr rhythmisch) oder auch Noten tauschen. Es gibt in der heutigen Musik eine Vielzahl von "Spielarten" der Arpeggien. Mit Einzug moderner "On Board Arpeggiatoren" heutiger Synthesizer sind der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt.
Dank der Sequenzertechnik findet man heutzutage Arpeggien in vielen "neuzeitlichen" Musikrichtungen wie Trance, Techno, House und Dance Pop. Allerdings gibt es auch Musikrichtungen, wo das Arpeggio sozusagen Hauptbestandteil ist. Die Musik, nach der in Spanien Flamenco getanzt wird, besteht fast ausschließlich aus Arpeggien.
Mann kann auch andere, nicht im Akkord vorkommende Noten, mit in das Arpeggio einbeziehen. Wenn man in das Beispiel unten das A einfügen würde, könnte man das Arpeggio sowohl im C-Dur, als auch im A-Moll spielen. Es klingt überaus interessant, wenn man im C-Dur das A und im A-Moll das G spielt. Hier sollte man allerdings etwas Vorsicht walten lassen, damit es zusammen mit dem Bass oder einer anderen Harmonie nicht zu Disharmonien kommt.
Standardbeispiele (geeignet für Pianobegleitung oder "glockig" klingende Sounds)
Wenn man das obige Beispiel nun mit 1/16 Noten spielen würde, die Notation auf C und G beschränken und als Instrumentierung einen Synthesizer-Rave-Bass einsetzen würde, hätte man einen typischen Kraftwerk-Sound. Dies würde dann ungefähr so aussehen:
Was kann man mit Arpeggien alles anstellen?
Das nachfolgende Beispiel soll zeigen, dass ein Arpeggio nicht nur zur Ausschmückung, Verzierung oder Begleitung taugt. Durch geschickten Akkordwechsel, bzw. Akkordumkehrungen, sind sogar komplexe Passagen möglich, die weit über eine klassische "Bridge" hinausgehen. Somit bekommt das Arpeggio musikalisch völlig neue Möglichkeiten und Einsatzgebiete.
Es handelt sich hier um ein rein "maschinell" erzeugtes Arpeggio. Hier ist keine der klassischen Reihenfolgen zu hören. Die Noten, die gespielt werden, sind minimal veränderte Zufallsprodukte und es werden sogar Noten mit Vorzeichen "eingemischt", die eigentlich gar nicht in diese Harmonien hinein gehören. Ebenso werden innerhalb eines Taktes einzelne Noten ausgelassen, damit ein gewisser Groove zustande kommt. Hier werden alle Grenzen der herkömmlichen Harmonielehre gesprengt, da die Grenzen zwischen einem "klassischen" Arpeggio und einer "normal-rhythmischen" Begleitung hier sehr fließend sind. Damit es richtig "abgefahren" klingt, habe ich dem Arpeggio eine Bass- und Schlagzeugbegleitung unterlegt. Spielen Sie die Datei einfach im angezeigten Flash Player ab, oder laden Sie sie sich herunter. Viel Spaß.
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